Brandschäden an Bibliotheksbeständen
von Prof. Dr. Wolfgang Wächter
Brandschäden an Bibliotheksbeständen führen zu sehr komplexen Schadensbildern. Innerhalb der betroffenen Blätter (Seiten) grenzen voll funktionsfähige Bereiche an vollkommen mineralisierte Partien. Zellulose ist in Kohlenstoff übergegangen. Gegensätzlichere Materialsituationen finden sich selten. Erschwert werden kann die ohnehin komplizierte Situation, wenn Bereiche, die verbrannt sind, Informationen tragen (Autographen, Musikhandschriften, Randnotizen, Kommentare). Diese außen liegenden, äußerst fragilen Bereiche sind durch jegliches Handling gefährdet und gehen oft mitsamt den Informationen verloren, obwohl der Erhalt der Informationen auch auf verkohltem Material möglich ist.
Um Brandschäden mit optimalen Ergebnissen behandeln zu können, bedarf es neben einer genau definierten Zielstellung einer spezifischen Infrastruktur und einer Ziel führenden technologischen Schrittfolge.
Schwerpunkte von Zielstellungen können z.B. Benutzungsanforderungen, Informationssicherung oder ästhetische Kategorien sein.
Die Wiederherstellung einer einheitlichen Blattstärke, die Wiederherstellung verloren gegangener Festigkeitswerte, die Wiederherstellung verloren gegangener Flexibilität gehören mit der Informationssicherung zu den grundsätzlichen Zielstellungen bei der Behandlung von Brandschäden.
Diese notwendigen Ergebnisebenen sind heute absolut realisierbar und sollten Standard sein.
Brandschädenbehandlung beinhaltet die Kombination bekannter und bewährter Restaurierungsmethoden mit innovativen Elementen, die chemische, physikalische und ästhetische Zielstellungen absichern.
