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05 Sep, 2010

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Dekontaminierung

Schimmel - was tun?

Enstehungsbedingungen

Wenn Bücher und Dokumente hoher Luftfeuchtigkeit (>60%) und höheren Temperaturen (>300 C) ausgesetzt sind oder gar feucht gelagert werden (nasse Wände, Havarien) liegen optimale Bedingungen für das Schimmelwachstum vor.

Materialien wie Papier, Pergament aber auch Leder und textile Einbände sowie organische Klebstoffe bilden für viele Schimmelpilze einen idealen Nährboden. Saure Medien, wie vor dem Jahr 2000 industriell gefertigte Papiere, gelten ebenfalls als begünstigend (pH zwischen 4,0 und 6,5).Dies spricht zusätzlich für eine präventive Massenentsäuerung. Insgesamt spielen auch der eigene mittlere Feuchtegehalt der Papiere (normal ca. 6%) und dass sie hygroskopisch sind und somit zusätzliche Feuchte aus der Luft aufnehmen können, eine Rolle. Außerdem trägt mangelnde Luftzirkulation in den Magazinen zum Aufblühen der Pilzkulturen (Sporen) bei.

Die Akten, Handschriften, Bücher, Einzelblätter, Karten, Zeichnungen, Graphiken müssen nicht einmal direkter Nässe ausgesetzt worden sein, es genügen oft schon ein einziges schimmliges Objekt und gute Bedingungen zur Verbreitung, um ganze Bestände zu infizieren.

Erkennen und Hintergründe

Schimmelpilze wachsen in Form von kleinsten, verzweigten Geflechten. Sie können mit bloßem Auge erkennbare Ansammlungen von beträchtlicher Größe bilden.

Pulveriger oder pelziger Belag in Verbindung mit oberflächigen Verfärbungen, oft schwarz, dunkelbraun oder graugrün, Myzelbildung zwischen den Seiten, loses oder leicht haftendes staubiges Material und Papierzerfall lassen auf Befall schließen. Oft in Folge von Wasserschäden entstehend.

Um zu Überleben benötigen Pilze Sauerstoff, das heißt sie leben aerob. In Einzelfällen können sie jedoch ohne Sauerstoff existieren. Pilze zählen nicht zum Pflanzenreich, da sie kein Chlorophyll besitzen und somit keine Photosynthese betreiben können. Zur Deckung ihres Kohlenstoff- und Energiebedarfs sind sie daher auf bereits existierende organische Verbindungen angewiesen. Die meisten Pilze bauen organische Rückstände der Umwelt ab. Genau dies ist unser Problem: Papier und andere organische Stoffe dienen ihnen als Nahrung und bei guten Lebensbedingungen (siehe oben) und viel Nahrung in einem Magazin vermehren und verbreiten sie sich maßlos.

Die Sporen sind extrem widerstandsfähig und können Jahrhunderte überdauern. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, sie zuverlässig vernichten und Schädigung des Trägermaterials zu vermeiden.

Maßnahmen

Da Sporen leicht auf andere, bisher nicht befallene Objekte übertragen werden, wo sie beim Eintreten der genannten Bedingungen ebenfalls aktiv werden, besteht die erste Maßnahme nach der Schadensfeststellung darin, sie schnellstmöglich von den anderen Objekten zu isolieren ohne viel Staub (und Sporen) aufzuwirbeln.

Außerdem sollen die Mitarbeiter unbedingt Schutzmaßnahmen für die eigene Gesundheit ergreifen (Handschuhe und Atemschutz). Einige Sporen können allergische Reaktionen hervorrufen und andere in einzelnen Fällen zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.

Im Falle sehr hoher Feuchte sind zum Stoppen des Prozesses der Schimmelbildung das Einfrieren der Objekte (in Plastikumhüllung) und die nachfolgende Trocknung erforderlich.

Zur Sterilisierung werden zur Zeit zwei Massenverfahren (durch Bestrahlung mit Gammastrahlen oder Begasung mit Ethylenoxid) angewendet. Im Gegensatz zur Gamma-Bestrahlung kann bei Begasung mit Ethylenoxid eine Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten bei fehlendem intensivem Auslüften durch noch adsorbierte Reste von Ethylenoxid nicht ausgeschlossen werden. Die PAL favorisiert die Gammabestrahlung mit Dosen um 18 kGray, die weder gesundheitsschädlich noch (nach verschiedenen Untersuchungen) die Stabilität des Papiers und seine Alterung merklich beeinträchtigt. Die Folgen sollen vergleichbar mit der UVExposition bei einem Kopiervorgang sein. Bei Einzelbehandlung leichter Fälle wird mit Alkohol sterilisiert.

Voraussetzung für den Erfolg sind die Trocknung, Sterilisation und Reinigung der Objekte. In Abhängigkeit vom Wert und Zerstörungsgrad der Archivalien können noch weitergehende konservatorische und restauratorische Nass- und Stabilisierungsbehandlungen erforderlich werden.

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