Das Schadensbild Tintenfraß gehört zu den schwierigsten Schadensbildern der Papierrestaurierung. Einmal in Gang gesetzt, schreitet der Tintenfraß kontinuierlich fort und zerstört die betroffenen Areale. Lange Zeit musste man sich mit restauratorischen Maßnahmen begnügen, die zwar die Benutzbarkeit der betroffenen Objekte sicherten, den eigentlichen Zerstörungsprozess aber nicht anhalten konnten. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden der Chemismus der Tintenfraßschadensbilder und die notwendigen Zielstellungen ihrer restauratorischen Bearbeitung erforscht und in die Praxis überführt. Heute existieren genaue Vorstellungen, wie eine wirksame Schadensbekämpfung beschaffen sein muss. Ohne hier tiefgründig auf anspruchsvolle chemische Abläufe einzugehen, lassen sich folgende wesentliche Zielstellungen an eine wirksame Tintenfraßbehandlung formulieren, die auf drei unterschiedlichen Ebenen angesiedelt ist.
Die chemische Zielstellung besteht im Entfernen und / oder Unwirksammachen der schädlichen Eisenionen, sowie der Entsäuerung und der Einlagerung einer alkalischen Reserve.
Die physikalische Zielstellung besteht in der Wiederherstellung der Benutzbarkeit und beinhaltet eine Homogenisierung der extrem unterschiedlichen Festigkeiten innerhalb eines Blattes. Neben intakten Bereichen liegen bis zur Fehlstelle abgebaute Abschnitte.
Die ästhetische Zielstellung beinhaltet möglichst wenige Veränderungen der äußeren Erscheinung des Originals.
Anhand der bearbeiteten Originale kann man die Ergebnisebene definieren.
Die chemische Zielstellung ist realisiert durch die Entfernung von Schwermetallionen in nachweisbaren Größenordnungen sowie der Komplexierung noch verbliebener. Damit ist der Tintenfraßprozess zum stehen gekommen. Eine alkalische Reserve aus Kalziumcarbonat gewährleistet eine lange Lebensdauer.
Die physikalische Zielstellung wurde realisiert durch das Einfügen eines stabilen Kernmaterials, verbunden mit der örtlichen Stabilisierung vorhandener Fehl- und Schwachstellen.
Die ästhetischen Zielstellungen wurden erreicht durch die Möglichkeit sowohl die chemischen als auch die physikalischen Bearbeitungsabläufe im „Inneren“ der Originalblätter zu realisieren.
Makroaufnahmen von beschädigten Bereichen vor und nach der Bearbeitung belegen diese Aussagen.
Möglich sind die erreichten Ergebnisse durch die Anwendung der hoch entwickelten Papierspalttechnologie, deren Akzeptanz in den vergangenen Jahren national und international zum Durchbruch gekommen ist. Es ist mir ein Bedürfnis, mich bei allen Kollegen für die hervorragende Mitarbeit und hohes Engagement, aber auch für kritische und konträre Diskussionen zu bedanken, die durchaus ein weiterführendes Element beinhalteten.
Materialisierbar und konkret umsetzbar wurde die Bearbeitung der Bach-Autographen durch die Bereitschaft und das Handeln der Sponsoren, die durch ihren Einsatz ein gesellschaftliches Vakuum ausfüllten. Die erreichten Ergebnisse sind geeignet, als Erfolgsmodell zu dienen, das man nicht der Vergessenheit anheim stellen darf.
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